FBG-Ausflug 2026: Wie kann klimaneutrale Wärmeversorgung gelingen? 

FBG Vereinsausflug 2026 nach Markt Großostheim

Wie kann ein klimaneutraler Kreislauf – vom Grünschnitt bis zur warmen Heizung – aussehen, der eine ganze Gemeinde versorgt? Um das herauszufinden, sind wir für unseren diesjährigen Vereinsausflugs in die Region Bayerischer Untermain, ins unterfränkische Markt Großostheim, gefahren. Wir freuen uns, dass so viele von euch unserer Einladung gefolgt sind und diesen aufschlussreichen und informativen Tag mit uns verbracht haben!

Früh morgens geht es mit dem Bus los: die Teilnehmer wurden in den Ortschaften abgeholt und angekommen in Großostheim starten wir mit einer Kaffee-Pause – Stärkung muss sein. An der Welzbachhalle beginnt die erste Führung durch die große Hackschnitzelheizung, die die Halle mit Wärme versorgt. Aber nicht nur das: alle öffentlichen Gebäude der Gemeinde, neben der Halle auch das Schwimmbad, Rathaus und die Schule, werden durch solche Hackschnitzelheizungen versorgt.

Wärme ist das letzte Glied in der Versorgungskette in Großostheim, die wir an diesem Tag zurückverfolgen. Nächster Halt ist das Abfallwirtschaftszentrum, bei dem uns der Leiter der Anlage, Mathias Mai, in Empfang nimmt. Er erklärt uns, wie das System funktioniert: sämtlicher Grünschnitt von Bürgern und Gemeinde wird in dem Zentrum gesammelt und in Fein und Grob sortiert. Feines Material wird geschreddert und kompostiert, grobes Grüngut wird gehäckselt, gesiebt und kommt dann der energetischen Verwertung zugute. Neben Hackschnitzeln und Kompost bleibt also kaum Grünmaterial übrig, was dann noch entsorgt werden muss – was die Kette vom Baum bis zur Wärmegewinnung klimaneutral macht. Der Recyclinghof hat zudem die gesamte Lagerkapazität für alle Hackschnitzelheizungen in Großostheim.

Einen Schritt vor der Weiterverarbeitung kommt der Gemeindewald ins Spiel. Revierförsterin Christiane Hock erklärt, dass es im Stadtwald einen Jahreseinschlag von ca. 7.000 Festmetern gibt. Davon gehen rund 3.000 Festmeter in die energetische Verwertung für die Gemeinde. Im Umkehrschluss bedeutet das: die gesamte Masse an Hackschnitzeln, die für die Gemeinde nötig ist, kommt aus dem Stadtwald und vom Schnittgut der Bürger. Zeit also, sich diesen Wald genauer anzusehen.

Vor Ort im Stadtwald besuchen wir zunächst eine Roteichensaatfläche, die zusammen mit Bürgern von Großostheim gepflegt wird. Diese wiederum bekommen nach der Holzernte Rabatt auf das entstandene Brennholz. Und das ist nicht die einzige Besonderheit. Es handelt sich um eine Versuchsfläche die Erfolge zeigt: trotz der extremen Trockenheit zeigten die Pflanzen im letzten Jahr einen Zuwachs von 50-80 cm.

Nach so viel Input ist es Zeit für eine Pause – der nächste Programmpunkt lautet Mittagessen im Brauereigasthof. Dort begrüßen wir im Anschluss Severin Steger in unserer Runde. Als Forstrat bei der LWF arbeitet er in der Abteilung “Waldbau, Waldwachstum, Inventuren“. Um uns einen Feldversuch zu zeigen, fahren wir mit ihm zur letzten Station des Tages.

Der Versuchsaufbau des Projekts KLIP 18 (heute integriert in das Projekt „Versuchsanpflanzungen mit Gastbaumarten“) wurde 2012 von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) gemeinsam mit dem Bayerischen Amt für Waldgenetik (AWG) initiiert. Ziel ist es, die Eignung und Trockentoleranz bestimmter alternativer, wärmeliebender Baumarten für die Klimazukunft mitteleuropäischer Wälder über einen Beobachtungszeitraum von 50 Jahren wissenschaftlich zu testen. Der Versuch läuft derzeit in Österreich, der Schweiz sowie in den Bundesländern Bayern und Thüringen. Am Beispiel Großostheim erklärt Severin Steger den Versuch anschaulich: auf Kahlfeldern, also gerodeten Flächen, mit einer Größe von 36 x 36 Metern werden verschiedene Pflanzen aus der Baumschule aufgepflanzt – in diesem Fall Thuja, Libanon-Zeder, Hemlocktanne und Bornmüller-Tanne. Ziel ist es jedoch nicht, forstwirtschaftliche Erträge zu erzielen, sondern auf Basis dieses forstlichen Versuchsaufbaus mit festgelegten Parametern wissenschaftliche Ergebnisse zu erzielen die z.B. für zukünftige Prognosen wertvoll sind.

Damit geht ein spannender Tag zu Ende – mit vielen Erkenntnissen und Impulsen, die wir mit in unsere Heimatregion bringen. Ein besonderer Dank geht an die Experten in Markt Großostheim, die sich die Zeit genommen haben uns ihr Kreislaufsystem der Wärmeversorgung vorzustellen.

Wie sicher aufgefallen ist, haben wir dieses Jahr einige Neuerungen bei unserem Ausflug getestet. Allen voran, die Fahrt an einem Dienstag zu machen – damit es weniger eine „Kaffeefahrt“ als vielmehr eine Fortbildungsmaßnahme in guter Gesellschaft ist. Wir haben viele Ideen und entwickeln uns immer weiter, also kommt gerne mit eurem Feedback – sei es Lob, Kritik, Wünsche oder Anregungen – auf uns zu!

Bericht: Martin Stula, Katja Lotter
Foto: Anton Lotter, Phillip Theobald